Eppinger Kirchhügel

Alles auf einen Blick

  • Eppingen

Im Mittelalter entstand um die Stadtpfarrkirche ein geistliches Quartier mit den Häusern der Geistlichen und der Lateinschule. Bis zur Reformation wirkten an der Stadtpfarrkirche zwei Pfarrer, zehn Kapläne und ein Lateinschulmeister. Sie bildeten die „Gemeinschaft der Geistlichen“, die aufgrund ihrer verpflichteten Anwesenheit bei den Gottesdiensten „Präsenz“ genannt wurde. Im Zuge der Reformation 1556 wurden die Kaplaneien aufgehoben und die 2. Pfarrstelle in „Diakonat“ umbenannt. Auch kamen nun zur Lateinschule eine sog. Deutsche Schule für die Knaben wie auch für Mädchen hinzu und es bildete sich auf dem Kirchhügel ein Schulzentrum. Leider fiel die Häuserzeile gegenüber der Kirche 1873 dem Stadtbrand zum Opfer.

Im Gemarkungsatlas von 1860/65 kann die Lage der Gebäude ermittelt werden.

1. Stadtpfarrkirche
2. Katholischer Kirchenanbau (1806 - 1891)
3. Hirschhorner Pfarrhaus, ab 1698 wieder katholisches Pfarrhaus
4. Altes Speyrer Pfarrhaus, frühestens 1522 als St. Marienkaplanshaus neu erbaut, im 18 Jhdt. Sitz des Lateinschulmeisters
5. Neues Speyrer Pfarrhaus von 1515, nach der Reformation Diakonatshaus
6. Vermutl. Kaplanshaus oder Messnerhaus, im 18. Jhdt. Sitz des Mädchenschulmeisters
7. St. Nikolauskaplanshaus, 1584 - 1749 oberes Stadt- bzw. Rathaus
8. Vermutl. Spital, von 1483
9. Adelshof, ab 1715 refomierter Pfarrhof, 1903 - 1985 evangelisch-methodistische Kirche
10. St. Katharinenkaplanshaus, ab 16. Jhdt. Mädchenschule, ab 18. Jhdt. katholische Schule
11. Standort Frohnhof
12. St. Gertrudenkaplanshaus
13. Hugenkaplanshaus, ab 18. Jhdt. Pfarrscheune
14. Neues Frühmesskaplanshaus
15. Lateinschule, 1421 erstmals erwähnt, Gebäude von frühestens 1453
16. Vermutl. Kaplanshaus, zweite Hälfte 15. Jhdt. Das Haus stand in einem baulichen Zusammenhang mit der Lateinschule
17. Reformiertes Schulhaus von 1810 für die kleinen Knaben, heute katholisches Pfarrhaus
18. St. Katharinenkapelle von 1489, ab 16. Jhdt. deutsche reformierte Knabenschule und Kollekturhaus

„Un ebbes Bsunders“
Von 1550 bis 1562 wirkte als Rektor an der Lateinschule Leonhard Engelhardt aus Schwäbisch Hall und brachte diese zur Blüte. Als Lutheraner konnte er während des Augsburger Interims (1548-1552) in der Reichsstadt Schwäbisch Hall keinen Lateinunterricht mehr geben und hat daher gern als 24jähriger die Berufung nach Eppingen angenommen. Als 1561 Kurfürst Friedrich III. vom lutherischen zum reformierten Glauben übertrat und dies auch seinen Untertanen vorschrieb, kam Leonhard Engelhardt erneut in einen Gewissenskonflikt. Er blieb seinem lutherischen Glauben treu und griff in einem Lied die neue Kurpfälzer Kirchenobrigkeit an. Diese setzte ihn im März 1562 als Rektor der Lateinschule ab und zwang ihn, die Kurpfalz innerhalb von drei Wochen zu verlassen. Im lutherischen Württemberg erhielt er mit seiner Familie Asyl und machte hier Karriere. Er wurde 1562 Lateinprofessor an der Universität Tübingen und dann von 1574 bis 1594 Rektor des Stuttgarter Pädagogiums.

 

 

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